Revolucion

„Wir, die Besetzer der Akademie der bildenden Künste München und weitere Studierende, haben soben den größten Hörsaal des Hauptgebäudes der Ludwig-Maximillians-Universität München, das Audimax, besetzt!Trotz massiver jedoch etwas subtiler Mobilisierung im Vorfeld, wurde kein Widerstand festgestellt. Wir haben den Raum friedlich und ruhig besetzt und diskutieren nun unsere nächsten Schritte.“

Ahja. Kurz und schmerzlos die Ansage, die gestern abend auf www.unsereunibrennt.de zu lesen war. Und so unspektakulär wie die Meldung ist irgendwie auch das Geschehen vor Ort.

Alles, was man sieht sich einige selbstbemalte Fahnen und Transparenten, die an Wänden und von der Decke hängen. Anscheinend fällt man über schlafende Besetzer, wenn man in den AudiMax geht.

Während der Vorlesung kommt dann ein doch einigermaßen ziviler Trupp der Revolutionäre in den Saal, um für Mitwirkung zu werben. Das einzige allerdings, was während ihres Auftritts Applaus erntet ist die Ansage vom Prof, der ihnen nach den ersten Sätzen ins Wort fällt und bemerkt, dass es doch nur „ein Mindesmaß an Höflichkeit ist – wenn ich Ihnen schon den Raum gebe, sich hier zu äußern – dass Sie mich vorher kurz fragen, ob Sie das Wort ergreifen können.“ Naja, wir sind bei den Juristen, irgendwie hat er ja recht, aber den Revoluzzern ist das natürlich zu spießig.

Soviel mal dazu.

Was aber ist jetzt davon zu halten? Man kann und soll darüber natürlich sehr geteilter Meinung sein, meine steht aber seit spätestens gestern abend fest, und ich finde sie so gut, dass ich mich mitteilen muss.

Zuersteinmal finde ich das Besetzen/Blockieren von Horsälen irgendwie paradox. Einer iher großen Kritikpunkte ist die schlechte Studiensituation, unter anderem hervorgerufen durch akuten Raummangel. Da macht es natürlich Sinn, das erstmal kurzfristig noch zu verschärfen, indem man den Studierenden, und damit eigentlich jenen, denen man angeblich nutzen will, ihren Raum und ihre Vorlesung nimmt. In München bisher nur einen Tag, in Wien nun seit fast 3 Wochen. Wenn ich mir überlege, dass ich ihretwegen theoretisch 12 Stunden Grundkurs Jura verpassen würde, wäre ich reichlich angepisst, und mein grundsätzlich irgendwie schon noch vorhandenes Wohlwollen würde ziemlich schnell einer wachsenden Abneigung weichen. Sollen sie doch von mir aus die Büros der Uni-Verwaltung, der Rektoren und Professoren blockieren. Damit ließen sich wohl der eine oder andere Offizielle an einen Tisch zwingen (!).


Erhoffen sie sich wirklich, ihre Ziele besser durchsetzen zu können, wenn sie vom direkten Weg der Kommunikation miteinander abweichen? Mit wem diskutieren die denn jetzt im „Plenum“ im AudiMax? Erstmal nur mit sich selber. Ja toll, das ist bestimmt unglaublich fruchtbar. Und irgendwie habe ich auch kaum Verständnis dafür, dass jetzt hier Antifa, DKP und Konsorten (deren Zeichen/Fahnen sind gut sichtbar) meinen, ihren basisdemokratischen Kindergarten veranstalten zu müssen. Weder wirkliche wichtige Dinger der Uni, noch des Staates, noch dieses „Lebens“ von dem man jetzt soviel hört laufen „basisdemokratisch“ ab. Gott sei Dank. Ich bin recht froh, dass Prüfungsordnungen, Gesetze und Verordnungen von Leute verfasst werden, die davon mehr Ahnung haben als der Historicums-Yeti und Heinz Fatzke. Ich muss ja nicht damit einverstanden sein, und das alles irgendwie abnicken. Aber genauso wie es eine Struktur gibt, in der Entscheidungen gefällt werden gibt es doch auch eine Struktur, wie ich mich gegen diese Entscheidungen wehren kann. Und ich sehe beim besten Willen nicht, dass dieser letzte Weg in München bis zu seinem Ende gegangen wurde, so dass eine solche Aktion jetzt nötig wurde.

Und eins macht mich bei der ganzen Sachen grundlegend sehr skeptisch: Wenn die Leute, die diesen Bildungsstreik veranstalten, es nicht mal schaffen mich, jemanden, der eigentlich genau ihre Zielgruppe ist, und an sich auch inhaltlich mit vielen Dingen übereinstimmt, zu überzeugen, dann machen die wirklich etwas falsch.

12.11.09 14:10
 
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